Morgens nach dem Aufstehen schreibe ich als erstes meine Morning Pages. Na ja, nicht ganz als erstes. Vorher koche ich noch Kaffee. Und zur Toilette gehe ich auch. Und ich schreibe die Morning Pages auch nicht im Bett. Zum einen fände meine Frau das nicht so lustig, wenn ich sie morgens wecke, obschon sie noch nicht aufstehen muss. Zum anderen schreibt es sich am Tisch doch besser.
Nach den Morning Pages beginnt der Tag meist mit dem Frühstück mit der Familie. Gegen 7:30 sind die Kinder dann aus dem Haus. Dann kann ich endlich arbeiten. Doch was tue ich? Mails lesen. Meist ist allerdings eh nichts wichtiges in der Inbox. Doch das Programm ist ja noch offen, also kann man auch schnell mal reinschauen. Könnte ja sein, dass ein Kunde einen riesigen Auftrag vergeben will. Hm… passiert ist das morgens noch nie. Also schließe ich das Mailprogramm besser, um nicht abgelenkt zu werden. Noch besser: ich schließe Mail schon abends, nachdem ich das letzte mal Mails gelesen habe. Oder noch noch besser: Mail immer schließen, wenn die Mails bearbeitet sind. Am besten jetzt!
Ohne Mails kann es nun endlich mit der Arbeit los gehen. Doch was liegt an? Ein Artikel muss fertig gestellt werden. Eine Beispielanwendung, mit der ich etwas Neues ausprobiert habe, wartet ebenfalls. Und ein Vortrag muss vorbereitet werden. Na dann kann ich mir ja was aussuchen. Aber so richtig Lust habe ich auf nichts davon. Ach und da fällt mir ja auch ein, ich wollte doch mal nachschauen, ob VMware jetzt eine Version herausgebracht hat, die mit Lion kompatibel ist. Browser auf und los.
Mist, 10 Minuten rumgesurft, keine neue Version gefunden. Und die Arbeit ist auch immer noch nicht weg. Also mal Word öffnen und den Artikel suchen. Ah da ist er ja. Bevor ich daran weiter schreibe, sollte ich ihn erst noch mal lesen. Sonst weiß ich ja gar nicht, was als nächstes dran ist. Cool, wieder 20 Minuten weg.
Hm, jetzt fällt mir zu dem Artikel aber doch gerade nichts ein. Dafür habe ich aber eine Idee für die Beispielanwendung. Also mal zu Visual Studio rüber wechseln. Oje, schnell muss ich feststellen, dass die Idee doch mit mehr Aufwand verbunden ist, als ich gedacht hatte. Na egal, 15 Minuten hat’s gedauert. Dann ist es jetzt wohl mal an der Zeit, vom Schreibtisch aufzustehen. Zu langes sitzen ohne Unterbrechung soll ja nicht gut sein. Kaffee wäre jetzt toll.
Also gehe ich mal nach unten und koche Kaffee. Ah da liegt ja auch die Zeitung. Toll, mal schauen was in der Welt so los ist. Und wieder 20 Minuten weg. Wow, da kann ich ja schon bald ans Mittagessen denken
Abends geht mir durch den Kopf: hoffentlich kommt nächsten Monat mal wieder Geld rein. Wird langsam eng.
Gegenmaßnahmen
Was mir hilft, trotzdem täglich was weg zu schaffen:
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Fokus
Nicht drei Aufgaben gleichzeitig am Start haben. Eine Sache am Tag voranbringen genügt. Besser den Artikel richtig vorwärts bringen und der Vortrag bleibt noch bis zum nächsten Tag liegen. Oder ein Thema am Vormittag, ein anderes am Nachmittag.
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Ablenkungen vermeiden
Mail schließen. Immer. Nur kurz zum Lesen und Bearbeiten öffnen. Und dann die Mails auch wirklich wegschaffen. Konsequent Inbox-Zero beim Beenden von Mail.
Die vielen Blitzideen ignorieren. Was wirklich wichtig ist, kommt schon wieder. Ob mein Rechner nun mit Lion läuft oder nicht, ist eigentlich völlig egal. Irgendwann sollte mal ein Update her. Das kann dann als (einzige!) Aufgabe mal auf’n Zettel.
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Produktivzeiten nutzen
Morgens bin ich am fittesten. Diese Zeit nutze ich, um wirklich zu arbeiten. Überweisungen tätigen, die Umsatzsteuervoranmeldung machen, Mails bearbeiten, all das kann ich auch zu anderen Zeiten, sozusagen "im Halbschlaf" noch tun.
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Nur Dinge tun, die mir wirklich am Herzen liegen
Was mir wirklich wichtig ist, fällt mir leicht. Alles was ich mit Begeisterung tun kann, geht leicht von der Hand. Da fliegen die Stunden nur so dahin. Ja ja, auch meine Eltern haben mir eingebläut: erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Quatsch! Nur Vergnügen, sonst wird’s eh nix.
Ein wunderbares Zitat dazu von Nigel Marsh aus seinem TEDx Vortrag:
"[...] where they work long, hard hours at jobs they hate to enable them to buy things they don’t need to impress people they don’t like."
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Vertrauen
Die Angst, dass das Geld nicht reichen könnte, begleitet mich ständig. Eigentlich weiß ich gar nicht so richtig wieso, denn bislang hat es immer gereicht. Trotzdem treibt mich manchmal diese Angst um und ich denke, jetzt musst du aber mal was arbeiten. Tatsächlich gelingt dann meist nichts, sondern ich schlage nur Zeit tot. In Köln sagt man ja "Et hätt noch immer jot jejange!", was so viel heißt wie, es ist noch immer gut gegangen.
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Schreiben
Mir werden Dinge durch’s Aufschreiben meist klarer. Unter anderem deshalb schreibe ich ja Morning Pages. Aber auch dieser Blogpost dient mir selbst dazu, Dinge klarer zu sehen. Wenn ich es aufgeschrieben habe, ist es aus meinem Kopf raus. Es quält mich nicht mehr latent der Gedanke, wie ich meine Arbeit besser organisieren kann. Hier steht’s ja, ich kann es jederzeit wieder nachlesen. Ich versuche übrigens, jeden Tag mindestens 500 Wörter zu schreiben.
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Reduzieren
Ein voller Schreibtisch kann mich wunderbar ablenken. Also versuche ich, meinen Schreibtisch leer zu halten. Und auch sonst reduziere ich zur Zeit quasi alles. Sogar mein Gewicht. Viele Bücher, technisch ohnehin veraltet, habe ich schon entsorgt. Ich versuche, täglich ein paar Dinge los zu werden, die ich eh nicht brauche. Ein cooles Projekt: The 100 Things Challenge. Ich bin noch weit davon entfernt, aber allein die Idee beflügelt mich täglich, mein Zeugs zu reduzieren.
Eine andere Idee dazu: Projekt 19. Ich stelle mir vor, mit all meinem Zeugs in eine 19qm Wohnung einzuziehen. Da passt nicht wirklich viel rein
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Kein Fernsehen, keine Zeitung
Zeitung lesen gehörte für mich immer zum Morgen dazu. Der erste Schnitt kam, als die Frankfurter Rundschau ihr Format verkleinert hat (einhergehend mit der Übernahme durch Neven DuMont). Damit war diese Zeitung für mich gestorben. Die Alternative war der Kölner Stadtanzeiger, da steht wenigstens Lokales aus Köln drin. Aber unter’m Strich steht da auch nur Zeugs drin, das ich nicht wissen will. Dass Politik und Verwaltung in Köln total versagen, muss ich nicht in der Zeitung lesen, das sehe ich an jeder Ecke.
Noch weniger als die Zeitung vermisse ich den Fernseher. Wir haben immer noch einen, aber ich entziehe mich dem allabendlichen reinglotzen. Ab und zu mal einen Tatort oder ein Autorennen, das ist ok. Ansonsten nutze ich die Zeit jetzt lieber für’s Lesen.
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Früh ins Bett gehen
Ich habe nie wirklich Probleme mit dem Schlafen gehabt. Aber weil ich mich jetzt nicht mehr vom Fernseher verführen lasse, länger auf zu bleiben, bin ich meist um 22:00 im Bett. Dadurch habe ich kein Problem, morgens noch vor 6 aufzustehen und mich fit zu fühlen.
Ist doch eine schöne Liste an Gegenmaßnahmen geworden. Da kann ich doch jetzt beruhigt Kaffee kochen
Buchtipps:
P.S. Ihr könnt natürlich trotzdem gerne unsere Seminare buchen, damit ich mir keine Sorgen um’s Geld machen muss