Lernen in der Krise?

Nachdem ich hier und hier etwas über “Qualität in der Krise” geschrieben habe, möchte auch ich über die Frage nachdenken, ob und wie wir als Software-Entwickler lernen. Ich schreibe “auch ich”, weil Ralf sich dazu in diesem Post einige Gedanken gemacht hat.

Als Software-Entwickler sind wir in der Situation, kontinuierlich lernen zu müssen. Wir müssen mit aktuellen technischen Entwicklungen Schritt halten, der Entwicklungsprozess entwickelt sich von Wasserfall zu Agile, Prinzipien, Regeln und Praktiken wollen erlernt werden. Wer keine Bereitschaft zu diesem ständigen Lernen mitbringt, ist meiner festen Überzeugung nach im falschen Beruf gelandet. Für mich persönlich besteht gerade in der ständigen Herausforderung der Reiz.

Nun gibt es natürlich viele Möglichkeiten, diesen Lernprozess zu bewerkstelligen. Man kann sich autodidaktisch mit einem Stapel Bücher verkrümeln und alleine für sich lernen, man kann Lernen durch Lehren, man kann an Seminaren teilnehmen, man kann an Open Spaces teilnehmen, kann Konferenzen besuchen, kann CodeCamps und BarCamps besuchen, Vorträge halten, die Liste ließe sich fortsetzen.

Da wir alle etwas anders gestrickt sind, kommt nicht jede Art zu Lernen für jeden von uns in Frage. Und natürlich spielt auch das liebe Geld eine Rolle, womit wir wieder beim K-Wort wären ;-)

Wie Ralf auch schon geschrieben hat, ist bei der Frage nach den Kosten oft nicht der Preis der Veranstaltung ein Kriterium, sondern die Frage, für welchen Zeitraum ein Mitarbeiter dem Unternehmen nicht zur Verfügung steht. Manche Arbeitgeber sollen ja sogar das Lesen von Büchern am Arbeitsplatz verbieten. Da würde ich, trotz Krise, mal darüber nachdenken ob meine Bewerbungsunterlagen in Ordnung sind…

Veranstaltungen wie Konferenzen, Open Spaces o.ä. dauern in der Regel nur wenige Tage oder finden sogar teilweise am Wochenende statt. Insofern dürfte das eher unkritisch sein. Allerdings lernt man auf einer solchen Veranstaltung oft, dass man noch viel Lernen muss ;-)

Bleiben die klassischen Seminare. Einen Mitarbeiter für ein oder sogar zwei Wochen aus einem Unternehmen loszueisen ist in vielen Fällen schwierig. Wir konnten bei den CCD Camps beobachten, dass die Anzahl der Anrufe auf den Handies zum Ende der Woche zunahmen. Aber so schwierig es auch sein mag, meiner Ansicht nach sind Präsenzschulungen sehr wichtig. Schließlich bieten sie Gelegenheit sich über einen definierten Zeitraum mit einem Thema auseinanderzusetzen. Und da das Selbststudium nicht Jedermanns Sache ist, hilft ein Seminar denen, die einen Tritt in den die etwas Anleitung brauchen.

Und natürlich geht das Lernen schneller, wenn ein erfahrener Lehrer zur Verfügung steht, der in kniffligen Fällen die Suche nach Lösungen abkürzen kann, der aus seinen Erfahrungen schöpfen kann und Alternativen bewertet, der den Teilnehmern vor allem aber Feedback geben kann. Ein guter Seminarleiter (noch besser: zwei) schafft für die Teilnehmer eine Umgebung, in der sie optimal lernen können. Denn das müssen die Teilnehmer am Ende natürlich selber tun.

Auch die Arbeit in Gruppen und Pairs ist sehr wichtig. Wer seinem Pair-Partner ein Konzept erklärt, lernt dabei am besten. Nicht ohne Grund werden an Montessori Schulen mehrere Jahrgänge in einer Klasse gemeinsam unterrichtet. Dadurch ergibt sich ganz oft die Gelegenheit für ältere Schüler, einem jüngeren Schüler etwas zu erklären.

Aber wie lassen sich die Vorteile einer Präsenzschulung mit den Erfordernissen der Unternehmen unter einen Hut bringen? Gibt es vielleicht eine Alternative zu Seminaren en bloc?

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