Berufsbegleitendes Lernen – ein Konzept?

Ralf und ich sind in unseren Überlegungen zur Frage, wie eine Präsenzschulung aussehen könnte, beim Stichwort “berufsbegleitendes Lernen” angekommen. Ralf hat bereits skizziert, wie ein solches Konzept aussehen könnte:

  • 1 Tag pro Woche Unterricht
  • lokal vor Ort
  • längerer Zeitraum von z.B. 3 Monaten
  • hoher Anteil an Übungen
  • Lernen in der Gruppe

Ich möchte hier eine Chance dieser Lernform herausstellen, die ich für besonders wichtig halte: durch die berufsbegleitende Form des Lernens können Entwickler in überschaubarer Zeit einen großen Schritt nach vorne machen. Da Entwickler bekanntlich keine Sprünge machen ist es wichtig, die einzelnen Schritte nicht aus den Augen zu verlieren. Man ist als Entwickler schließlich nie “fertig”.

Werden die Inhalte über einen längeren Zeitraum verteilt, ist das Risiko geringer, dass die Teilnehmer mit Stoff überfordert werden, den sie im Anschluss an das Seminar aufarbeiten müssen. Bei Seminaren en bloc ist eine solche Nacharbeit oft notwendig. Teilnehmer kommen damit unterschiedlich gut klar.

Durch die Pausen zwischen den einzelnen Trainingseinheiten beim berufsbegleitenden Lernen kann sich der Stoff setzen, können neue Fragen gebildet werden, kann der Stoff eigenständig angewendet werden. Die Übertragung des Gelernten in den eigenen Kontext ist schließlich die eigentliche Herausforderung. Wer gelernt hat, eine Tonleiter auf einem Instrument zu spielen, muss die Tonleiter in einen Kontext stellen damit Musik daraus wird. Die Tonleiter gibt Halt beim Improvisieren, die Harmonielehre beschreibt den formalen Rahmen. Aber erst durch die Anwendung der Harmonielehre, vor allem das bewusste sich darüber hinwegsetzen, entsteht Musik.

Und um nochmal auf die Sprünge zurück zu kommen: bevor man Tonleitern nicht verstanden hat braucht man ans Improvisieren nicht zu denken. Dies wäre ein Sprung statt mehrerer Schritte. Das gleiche gilt für die Softwareentwicklung: ohne die Objektorientierung wirklich zu beherrschen ist an Parallelität oder gar Serviceorientierung nicht zu denken.

Über einen Zeitraum von 3 Monaten können wir 12 Termine unterbringen. Gleichzeitig ergeben sich damit

  • 11 Möglichkeiten, das Gelernte in der Praxis anzuwenden und zu hinterfragen.
  • 11 Möglichkeiten, aktuelle Probleme aus der Praxis in das Seminar einzubringen.
  • 11 Möglichkeiten zu reflektieren, über jeweils eine Woche der konkreten Anwendung des Stoffes.

Ist also das berufsbegleitende Lernen ein tragfähiges Konzept? Ich meine ja. Wir werden antreten das zu beweisen ;-)

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5 Responses to “Berufsbegleitendes Lernen – ein Konzept?”

  1. Albert Weinert Says:

    Du meinst also dass Prinzip der Volkshochschule?

  2. Stefan Lieser Says:

    Ich hatte bislang nicht den Eindruck, dass die VHS vor allem berufsbegleitende Angebote bietet, die einen kompletten Tag in Anspruch nehmen. Die Kurse dort finden eher Abends und/oder am Wochenende statt.

  3. Dennis Bischof Says:

    Hrm ich behaupte mal die meisten Entwickler lernen Daheim, was sie für die Arbeit brauchen oder on the fly während sie neues in einem Projekt verwenden. (Was auch Gründe hat)

    1nen Tag in der Woche ist bei Google drin, aber nicht bei mittelständischen Unternehmen, welche heute immer noch glauben “Programmierer gibt es wie Sand am Meer”. In wirklichkeit gibt es solche Unternehmen wie Sand am Meer ;-)

    Ich finde die Idee, denoch super :-) Vielleicht würde sich das Konzept auch für Usergroups anbieten?

    Die Frage, welche sich mir stellt ist ob Berufsbegleitendes Lernen überhaupt noch Standort bezogen sein sollte. Der Trott jeden Tag ins Büro zu laufen und dort an den ollen Tisch gefesselt zu sein hat hoffentlich bald ein Ende :-)

  4. Sven Eiter Says:

    Ich finde das Konzept gut, und ich glaube auch, dass es in einem mittelständischem Unternehmen machbar wäre.

    Ich glaube Lars hatte erzählt, dass Sie einen Tag in der Woche für Forschung und Weiterbildung “opfern”. Warum nicht auch andere Firmen?

    Und was das Lernen daheim angeht:
    Ist nicht immer einfach wenn man Familie und Kind hat. ;-)

  5. Stefan Lieser Says:

    @Dennis: ich habe nicht den Eindruck dass die meisten Entwickler zu Hause lernen. Ich mache das mal daran fest, wie wenige Entwickler zu Community Events wie User Group Treffen erscheinen. Und selbst von denen sind dann nur wenige bereit, aktiv beizutragen. Dass berufsbegleitende Ausbildung ein Konzept für Usergroups ist mag ich daher stark bezweifeln.

    @Sven: ich glaube auch, _gerade_ für Mittelständler ist das Konzept geeignet. Die trauen sich vermutlich noch seltener, den Entwicklern einen Tag pro Woche in Eigenverantwortung für Fortbildung zu überlassen. Ihnen ist vielleicht geholfen, wenn die 20% Fortbildungszeit organisiert und unter Anleitung stattfindet. Tja und Familie und Kinder sind ein Implementierungsdetail das man nur schwer in den Griff kriegt ;-)